E-MOBILITÄT KOMMT IN FAHRT

DI Heimo Aichmair - CEO Austrian Mobile Power

In den kommenden drei Jahren kommen rund 30 neue E-Fahrzeugmodelle auf den Markt. Die Reichweiten steigen und der Ausbau einer flächendeckenden, vernetzten E-Ladeinfrastruktur schreitet voran. Viele Zeichen für eine nachhaltige Mobilitätswende stehen damit auf Grün.

 

Ein Interview mit DI Heimo Aichmaier, CEO bei Austrian Mobile Power.

 

„Ich bin zuversichtlich, dass das Thema Elektromobilität in Österreich weiter abheben wird.“

 

Welche Entwicklung erwarten oder erhoffen Sie sich für die Elektromobilität in Österreich?

Dipl.-Ing. Heimo Aichmaier: Schön langsam gehen endlich die politischen Rahmenbedingungen, Produktinnovationen und der Ausbau der E-Ladeinfrastruktur Hand in Hand. Allein im Bereich der Firmenfahrzeuge (60% der Fahrzeuge in Österreich) ist ein enormer Hebel gegeben. Durch die steuerlichen Begünstigungen hinsichtlich Anschaffungskosten und Sachbezug ist die Elektrifizierung des Unternehmensfuhrparks attraktiv geworden. Firmen haben die Möglichkeit, im Sinne einer nachhaltigen Unternehmenspolitik ihren ökologischen Beitrag zu leisten und ihren Mitarbeitern einen echten Mehrwert zu geben.

Wie ist der Status quo hinsichtlich Elektrotankstellen in Österreich?

Dipl.-Ing. Heimo Aichmaier: Es gibt bereits ein flächendeckendes, alltagstaugliches Netz an E-Tankstellen in Österreich. Es ist sogar die Installation der nächsten Generation – Stichwort „High Power Charging“ – bereits voll im Gange. Wesentlich ist aber nicht nur eine gewisse Quantität bzw. Flächendeckung, sondern der Zugang und die Verfügbarkeit dieser neuen Verkehrsinfrastruktur. Vereinfacht gesagt muss qualitativ zeitgemäße E-Ladetechnik eine Autorisierung ermöglichen. Entsprechende sichere Bezahl- und Autorisierungstechnologie ist hier schon marktüblich und muss dringend vielerorts nachgerüstet werden. Österreich braucht jetzt unbedingt eine Qualitätsoffensive und auch Preistransparenz bei bestehenden wie auch zukünftigen E-Ladestellen. Nur so kann die unberechtigte Reichweitenangst eingedämmt werden. Maß- nahmen und Förderungen seitens Bund und Länder müssen daher auch an konkrete Qualitätskriterien gekoppelt sein. Das überwiegende Laden wird übrigens nicht im öffentlichen Raum stattfinden, sondern vielmehr im privaten wie auch halböffentlichen Raum, wie zum Beispiel auf Parkplätzen von Supermärkten, Firmengeländen oder über Nacht zu Hause.

Was muss ich als Unternehmer oder Fuhrparkbeauftragter beachten?

Dipl.-Ing. Heimo Aichmaier: Hier ist ein Gesamtkonzept zu überlegen, das in Anlehnung an die Reichweiten die Nutzungsart wie auch ein Lademanagement inkludiert. Die Anwendung ist schon bei der Auswahl des Modells zentral. Dabei stellt sich auch die Frage, ob ich eine Plug-in-Technologie oder einen Range Extender im Fahrzeug benötige, die die Mitarbeiter bei Bedarf auch in weniger besiedelten Gebieten ohne Zwischenladen fahren lassen. Bei der E-Ladeinfrastruktur können unter anderem Überlegungen einfließen, ob diese auch externen Nutzern zur Verfügung gestellt werden soll. Das Thema ist neu und komplex. Deshalb ist es hier ratsam, Fuhrparkanalysen mit entsprechenden Partnern wie Leasingunternehmen, Ladestellenanbieter oder dem TÜV zu machen.

Wie sieht es mit den Kosten bzw. der Kostenersparnis aus?

Dipl.-Ing. Heimo Aichmaier: Privatpersonen bekommen durch die aktuelle Sachbezugsregelung einen Geldvorteil, welcher quasi einem 15. Monatsgehalt gleichkommt. Für Unternehmen sind EFahrzeuge, unabhängig vom Modell, von der Vorsteuer befreit. E-Fahrzeuge sind zudem im Rahmen der Normverbrauchsabgabe und motorbezogenen Versicherungssteuer bevorzugt. Im laufenden Betrieb sprechen ganz klar die geringeren Energie- und Wartungskosten für sich, die vor allem Vielfahrer wie etwa Pendler mehr Geld im Börsel lässt. So kann man für 100 km mit etwa 2,50 Euro rechnen, bei den Servicekosten liegen wir beim E-Fahrzeug bei 70-120 Euro pro Jahr.

 

KURZ & KNACKIG

  • Welches Modell ist Ihr Favorit unter den Elektroautos?
    Jedes Modell mit über 200 km Reichweite deckt meinen privaten und beruflichen Mobilitätsbedarf ab.
  • Der beste Ort zum Akku laden?
    Zwei Orte – einfach zu Hause über Nacht oder am Arbeitsplatz.
  • Elektroauto und Fahrspaß – schließt sich das aus?
    Elektromobilität ist Fahrspaß!