EXPERTEN TALK – PSYCHOLOGIE & ONLINE MARKETING

Marketing und Psychologie gehen Hand in Hand. In der Online-Welt wird diese Symbiose nur leider oft vernachlässigt. Dabei schlummert hier für Onlinehändler großes Potenzial!

Das Interview wurde mit Sarah Weitnauer, Geschäftsführerin Psyketing, geführt. 


Sarah Weitnauer
Die Verknüpfung von Online-Marketing und Psychologie lässt bei einigen sicher noch Fragezeichen aufpoppen.  Warum braucht man Psychologie im Online-Marketing?

Sarah Weitnauer: Marketing ist Psychologie. Im klassischen Marketing wird Psychologie seit Jahrzehnten angewendet. Die Tatsache, dass das im Online-Marketing nicht ausgeschöpft wird, ist meines Erachtens eher skurril, weil Firmen damit viel Potenzial verschenken.

Welche Auswirkung hat die Psychologie im Online-Marketing?

Sarah Weitnauer: Kunden werden gezielter dort abgeholt, wo sie sich mental befinden. Zusätzlich werden Conversions durch Anwenden von psychologischen Strategien nachweislich erhöht.

Wie beeinflussen Suchintentionen das Sehen oder die Wahrnehmung? 

Sarah Weitnauer: Wenn ich online etwas suche, z. B. ein grünes Kleid, dann bin ich auf grün geeicht. Im Folgenden kann es gut sein, dass relevante Rabatt-Anzeigen, allein schon aufgrund der meist roten Farbe, übersehen werden. Ich habe mich als Kunde mit meiner Suchintention „grünes Kleid“ quasi blind für andere Informationen gemacht.

Bilder triggern Emotionen, das ist bekannt. Aber wie können Buchstaben beim Betrachter Emotionen auslösen?

Sarah Weitnauer: Buchstaben sind nicht nur Werbebotschafter, sondern Emotionsträger. Je größer der Buchstabe, desto stärker die ausgelöste Emotion, diese veränderte Hirnaktivität ist im EEG messbar. Allerdings bedarf es auch emotionaler Wörter, wie z. B. Hochzeit oder Geschenk. Neutrale Wörter wie Löffel und Papier werden auch in Plakatgröße keine Emotionen auslösen.

Welches Potenzial haben Farben in der Wahrnehmung von Websites?

Sarah Weitnauer: Farben triggern kulturabhängig bestimmte Gefühle und Emotionen. Werden sie psychologisch richtig eingesetzt, können Wahrnehmung und Erinnerung erleichtert werden.

Welche Wörter sollte man z. B. in Überschriften und Produktbeschreibungen vermeiden?

Sarah Weitnauer: Das kommt auf die Website und die Zielgruppen an. Dafür braucht es Feingefühl, Marktkenntnis und eine Prise psychologisches Wissen. Negative oder ablehnende Wörter wie „nein“ oder „nicht“ sollten aber generell vermieden verwenden.

Wie kann man psychologisches Wissen nutzen um seine Website oder Kampagne zu verbessern?

Sarah Weitnauer: Der Einsatz psychologischen Wissens unterscheidet sich sehr stark von Website zu Website bzw. von Kampagne zu Kampagne. Wie es ja auch mit Patienten ist. Man kann nicht jedem die gleiche Pille verschreiben, damit er/sie/divers wieder gesund wird.

 Wie erzeuge ich Aufmerksamkeit ohne als „Marktschreier“ wahrgenommen zu werden?

Sarah Weitnauer: Indem mit unbewussten Auslösereizen gearbeitet wird, allerdings kann das bei Unkenntnis auch nach hinten losgehen. Deshalb rate ich immer dazu, unbedingt zu testen.

Welche Werbebotschaften bleiben am ehesten im Gedächtnis?

Sarah Weitnauer:

  • Sie müssen emotional und kurz sein und oft wiederholt werden.
  • Sie müssen emotional und kurz sein und oft wiederholt werden.
  • Sie müssen emotional und kurz sein und oft wiederholt werden.
  • Sie müssen emotional und kurz sein und oft wiederholt werden.

Können Sie uns eine Strategie nennen, die sofort von Onlineshop-Betreibern umgesetzt werden kann?

Sarah Weitnauer: Fühl dich in deinen Kunden ein, rede aus seiner Perspektive und nicht aus Unternehmensperspektive. Das ist der erste Schritt, nachfolgend können Trigger eingebaut werden, um die Conversions zu steigern.

 

Sarah Weitnauer verknüpft in ihrem Unternehmen Psyketing die Themen Marketing und Psychologie. Sie berät Unternehmen zu Marketingstrategie und Onlineauftritt unter werbepsychologischen Gesichtspunkten.

www.psyketing.de