Kommunikation: Was uns wirklich beeinflusst

„Man kann nicht nicht kommunizieren“ – hat einst schon ein weiser Mann namens Paul Watzlawik gesagt. Ein simpler Satz mit großer Aussagekraft.

 

Betrachten wir die menschliche Kommunikation genauer: Eine Sucheingabe des Wortes „Kommunikation“ ergibt 151 Millionen Treffer – und genauso umfangreich wie die Suchergebnisse ist auch die Komplexität menschlicher Kommunikation.

 

Das erste und auch plakativste Beispiel für Paul Watzlawiks Aussage ist das Zusammenspiel zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation. Auch wenn unser Mund geschlossen bleibt, kommunizieren wir dennoch. Unsere Mimik, Gestik und unsere Körperhaltung sagen oft mehr über unsere Gemütslage aus, als uns lieb ist. Und so ist es uns allen vermutlich schon einmal passiert, dass uns jemand gegenübersaß, der augenscheinlich freundlich und wohlgesonnen scheint und doch spürt man ein seltsames Unbehagen – womöglich stimmt die verbale Aussage nicht mit der nonverbalen Körpersprache überein.

 

Doch woher wissen wir, was „stimmt“ und was nicht? Woher kommt dieses seltsame Unbehagen? Wie unterscheiden wir, ob wir der Kommunikation vertrauen oder unsere Alarmglocken schrillen lassen? Die Antwort ist simpel – wir haben es im Laufe unseres Lebens gelernt. Im Säuglingsalter ist unsere gesamte Kommunikation nonverbal. Wir lernen, kleinste Veränderungen innerhalb von Millisekunden zu deuten. Kommt im Laufe der Jahre das gesprochene Wort hinzu, so lernen wir, die beiden Komponenten zu verbinden – und es tief in unserem Unterbewusstsein zu verankern. Und stimmt eine als „normal“ gelernte Körpersprache nicht mit dem gesprochenen Wort überein, so setzt unser Unterbewusstsein innerhalb von Millisekunden den Alarm ab.

 

Kommen wir zu einem weiteren wesentlichen Bestandteil der Kommunikationswissenschaften: Der Sender-Empfänger-Thematik. Wir wissen nun, dass unsere Art zu kommunizieren, sprich, wie wir Informationen verbreiten, aber auch wie wir sie empfangen, ab unserem ersten Lebenstag gelernt wurde. Nicht nur das, das Erlernte wird kontinuierlich mit unterschiedlichsten Emotionen angereichert, Erinnerungen werden hinzugefügt, Ängste aufgebaut oder auch mit großer Freude verknüpft – und wieder tief in unserem Unterbewusstsein verankert.

 

Nun ist unser Lebensweg so individuell wie unser Fingerabdruck – und somit auch unsere Kommunikation. Die Person, die Informationen verbreitet, lässt diese durch einen individuellen Filter laufen, bevor sie wirklich zu einem gesprochenen Wort werden. Wir verschlüsseln die Botschaft im Sinne unserer eigenen (und damit einzigartigen!) Realität. Und der Informationsempfänger? Der entschlüsselt Sie mit all seinen unbewusst erlernten „Fakten“ und kreiert sich seine eigene Realität.  Es mag naheliegend scheinen, dass man Kommunikation optimieren könnte, wenn der Sender nicht verschlüsselt und der Empfänger nicht filtert. Richtig, es wäre so einfach – wäre da nicht unser Unterbewusstsein. Und dieses zu steuern, ist wohl eine der größten Herausforderungen.

 

Fazit

Versuchen Sie nicht, Menschen zu manipulieren, indem Sie Ihre ganze Energie darauf verwenden zu beachten, wie Sie sitzen, lächeln, atmen oder Ihre Hände halten. Sie werden das Gespräch manipulieren – jedoch nicht auf einer vertrauensvollen Basis, sondern immer mit dem fahlen Bauchgefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Das Unterbewusstsein kommuniziert mit uns ja leider auch nur sehr kryptisch über rational nicht erklärbare „Bauchgefühle“.

Versuchen Sie, Ihrem Gegenüber das zu geben, was es in dem Moment braucht. Verständnis? Erklärungen? Genaue Pläne? Oder vielleicht sogar ein klares STOP?

„Und wenn alle Bemühungen scheitern“ fragen Sie sich vielleicht? Nun ja, es wird Situationen geben, wo dies der Fall ist – und es hält uns einfach wieder ein weiteres Mal die Komplexität und Individualität der menschlichen Kommunikation vor Augen.

 

Gastbeitrag: Christina Beck, Kommunikations-Trainer