Mensch & Konsum

Ich kaufe, also bin ich?

In Zeiten des Überflusses und des Überangebots ist Konsum zu einer Freizeitbeschäftigung geworden.

 

Der Wohlstand ermöglicht uns, Dinge nicht aus Notwendigkeit, sondern aus anderen Beweggründen zu kaufen. Weil uns etwas gefällt, weil es gerade modern ist, oder weil es alle anderen haben. Zudem prasseln immer mehr Kaufanreize über die unterschiedlichsten Kanäle auf uns ein. Daher die Frage: Was brauchen wir wirklich? Und wie hat sich die Einstellung zu Konsumgütern in den letzten Jahren verändert?

 

Fast Food, Fast Fashion, Fast Life

Wir „brauchen“ ein Smartphone, um am Sozialleben teilzuhaben, das Netflix-Abo, um beim Smalltalk zur aktuell gehypten Serie mitzureden und vielleicht auch die neuesten Sneaker, um einen gewissen Status zu repräsentieren. Die Werbung versorgt uns laufend mit neuen Kaufempfehlungen. Dabei verlieren klassische Werbeformen wie Fernsehspots zunehmend an Bedeutung. Mehr als ein Drittel der Generation Z schaut beispielsweise gar kein Fernsehen mehr und ist von klassischer Werbung nur noch genervt. Mit humorvollen Spots und gesellschaftsrelevanten Themen kann man aber auch bei den Jüngeren punkten.

 

Mobile is now

Im Jahr 2019 wurden erstmals mehr Onlinekäufe am Smartphone getätigt, als über PC oder Tablet. Zu diesem Ergebnis kommt die von PwC durchgeführte Studie „10th Annual Global Consumer Insights Survey“. Dabei kaufen 30 % der Onlineshopper wöchentlich oder noch öfter Produkte im Internet. Die Möglichkeit, mit dem Smartphone rund um die Uhr einzukaufen hat nicht nur zur Folge, dass Konsumenten häufiger einkaufen. Die Studie besagt zudem, dass auch mehr Geld beim Einkaufen ausgegeben wird.

 

Eines ist klar: noch nie waren so viele Produkte so einfach verfügbar wie heute. Ein Klick und schon geht ein Päckchen in China auf die Reise. Das Warenangebot ist durch die Verbreitung des Internets ins schier Unermessliche gewachsen. Hinzu kommt der unaufhörlich andauernde Schlussverkauf. Ständig gibt es irgendetwas irgendwo im Angebot. Darauf springt unser Gehirn unwillkürlich an. Psychologen haben herausgefunden, dass Rabatte wie Kokain wirken. Zudem werden dadurch jene Gehirnbereiche ausgeschaltet, die abwägen, ob ein Produkt tatsächlich benötigt wird oder nicht. Mit diesem Wissen sollten wir beim nächsten Checkout vielleicht genauer überlegen, ob wir tatsächlich alle Artikel im digitalen oder physischen Warenkorb unser eigen nennen möchten.

 

Konsum versus Nachhaltigkeit

Was wäre eine Entwicklung ohne die entsprechende Gegenbewegung? Minimalismus heißt das Zauberwort. Tauschen und teilen, statt kaufen und besitzen. Quasi ein Leben nach dem Motto „Lieber dreimal recycelt, als einmal zu oft neu gekauft“. Zudem achten Konsumenten heute auch zunehmend auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Auch die Nutzungsdauer von Alltagsgegenständen wie Smartphones steigt wieder an. Das Handy wird laut einer Studie der Universität Klagenfurt heute ein Jahr länger genutzt als noch 2015. Besonders ältere und jüngere Menschen sind demnach daran interessiert, Artikel länger zu nutzen. Die Generation dazwischen hat hier noch etwas Nachholbedarf.

 

Wie immer wird der beste Weg wohl irgendwo in der goldenen Mitte der Extreme liegen. Es ist in Ordnung, wenn man sich mit seinem hart verdienten Geld auch etwas gönnt, wenn einem materielle Dinge Freude bereiten und man die Möglichkeiten des Onlinehandels für sich nutzt. Nichtsdestotrotz können wir durch unser Konsumverhalten auch im WWW regionale Unternehmen unterstützen und qualitativ hochwertige Produkte wählen, anstatt Wegwerfartikel zu importieren.